Super-Visionen“ für Schulen: Was Supervision im Schulalltag leisten kann
Wie das learninglab Schulen durch Prozessbegleitung unterstützt
10/28/20262 min read


Supervision hat in Schulen oft einen schweren Stand. Viele verbinden damit: Hier läuft etwas schief, jetzt kommt jemand von außen. In der neunten Folge von learning Gelaber sprechen Karin Küppers und Claudia Thiesen mit Richard Heinen darüber, warum das an der Sache vorbeigeht und was supervisorisches Arbeiten in Schule ausmacht. Alle drei begleiten Schulen und soziale Einrichtungen in systemischer Haltung
“Fragen stellen statt Lösungen liefern”
Den Einstieg lieferte ein Wortspiel. Ein Teilnehmer machte Karin Küppers darauf aufmerksam, dass in Supervision „Super-Visionen“ stecken. Für sie trifft das den Kern: gemeinsam mit Menschen neue Wege und kleine Lösungen entwickeln. „Da sind wir die, die die Fragen stellen, nicht die, die die Lösungen haben.“
Deshalb grenzen beide Supervision klar von Fortbildung ab, ebenso von Konfliktberatung, die einem eigenen Ablauf folgt. Im Mittelpunkt stehen die Menschen vor Ort. Claudia Thiesen erinnert an die Sauerstoffmaske im Flugzeug: Wer sie zuerst selbst aufsetzt, kann anderen helfen. Lehrkräfte arbeiten nicht mit Hammer oder Säge – „die sind ihr eigenes Handwerkszeug“. Wer sich selbst stärkt, tut damit auch etwas für die Kinder.
In Schulen spricht das learninglab zu Beginn oft von Prozessbegleitung, weil der Begriff neutraler ist. Ob Supervision, Coaching oder Schulentwicklung: Die Themen bringen die Schulen selbst mit.
"Das ganze Aquarium im Blick"
Wie systemisches Arbeiten aussieht, erklärt Claudia Thiesen mit einem Aquarium. Es wird nicht ein einzelner Fisch herausgeholt und repariert. Der Blick geht auf das Ganze: Wohin schwimmen die anderen, wenn einer nach rechts schwimmt? Wie steht es um Sauerstoff und Futter?
Das zeigt sich etwa, wenn Absprachen nicht umgesetzt werden. „Die Flipchart liegt da oben, die verstaubt gerade“ – für Claudia Thiesen ein Hinweis, dass unter den Strukturen etwas anderes liegt: Erfahrungen, Werte, Glaubenssätze. Zentral ist psychologische Sicherheit. Wer sich im System sicher fühlt, kann Leistung erbringen. Das gilt für Lehrkräfte ebenso wie für Schüler:innen.
"Grenzen, Druck und Anspruch"
Wie konkret die Themen werden, zeigt das Beispiel einer Schul-App für Nachrichten an Eltern und Schüler:innen. Eine Lehrkraft antwortet noch um 22 Uhr, eine andere abends gar nicht mehr. Für Schüler:innen entsteht so ein Flickenteppich an Erwartungen. Verlässlichkeit entsteht erst, wenn sich ein Kollegium gemeinsam verständigt. Richard Heinen formuliert es grundsätzlich: Eine Schule als Organisation gibt es erst, wenn darüber gesprochen wird, welche Schule man sein will.
Eine Spannung zieht sich durch das Gespräch: Supervision soll Menschen ermächtigen, im eigenen Einflussbereich etwas zu verändern. Sie soll aber kein Pflaster sein, das Missstände verdeckt. „Supervision ist hochpolitisch“, sagt Karin Küppers. Was strukturell fehlt, darf benannt werden, etwa wenn Teams dauerhaft unterbesetzt die volle Arbeit leisten. Claudia Thiesen ergänzt den Circle of Influence: Wer nur auf das Außen schaut, wird hilfloser. Wer klärt, was er selbst tun kann, gewinnt Selbstwirksamkeit.
Das learninglab begleitet derzeit viele Schulen im Startchancen-Programm, von der Grundschule bis zum Berufskolleg, in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und Berlin. „Geld alleine macht noch keine bessere Schule“, sagt Richard Heinen. Die Finanzierungsmöglichkeit für eine externe Prozessbegleitung kann aber helfen, Räume für Reflexion zu öffnen und kleine Veränderungen auszuprobieren. Das Ziel benennt Claudia Thiesen klar: „Wir wollen uns ja abkömmlich machen.“
Mehr zu Prozessbegleitung, Organisationsentwicklung sowie Supervision und Coaching:
learning-lab.de/prozessbegleitung
Angebote des learninglab im Startchancen-Programm:
learning-lab.de/prozessbegleitung-startchancen-programm
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