Was eine Duisburger Grundschule über wirksame Bildung zeigt | Podcast 🗨️ learningGelaber
2026PODCASTSCHULE
9/29/2026


Vielfalt leben, nicht nur verwalten: Was eine Duisburger Grundschule über wirksame Bildung zeigt
In der Grundschule im Dichterviertel in Duisburg werden über 40 Muttersprachen gesprochen. Schulleiterin Ümmü Demirel erzählt in der neuen Folge von learning Gelaber, warum wirksame Bildung nicht bei Lehrplänen beginnt, sondern bei einer scheinbaren Nebensache – dem richtig ausgesprochenen Namen.
Ein Name ist keine Nebensache
Gleich zu Beginn des Gesprächs mit Richard Heinen wird deutlich, wie ernst Ümmü Demirel diese Nebensache nimmt. Dass ihr Name selten korrekt ausgesprochen wird, stört sie weniger als der Umgang damit: „Schlimm finde ich, wenn man es nicht verbessert. Wenn man es stehen lässt. Denn das hat was mit meiner Identität zu tun." Was für sie gilt, gilt für die Kinder ihrer Schule genauso. Über 40 Muttersprachen sind hier kein Verwaltungsproblem, sondern Ausgangspunkt: Vielfalt wird nicht bewältigt, sondern als Bereicherung verstanden, aus der die Schule bewusst schöpft.
„Man lernt nur von dem, den man liebt"
Auf die Frage, was Lehren wirksam macht, greift Ümmü Demirel zu einem Satz, den sie Goethe entlehnt: „Man lernt nur von dem, den man liebt." In ihre eigene Sprache übersetzt heißt das: „Ich muss den Kindern signalisieren: Egal, was du tust – ich mag dich." Beziehung ist für sie keine weiche Zugabe zum Unterricht, sondern dessen Voraussetzung.
Diese Überzeugung ist tief in ihrer Biographie verwurzelt. Als Kind galt sie als gute Schülerin – und erlebte doch, wie fehlende Deutschkenntnisse zur unsichtbaren Hürde wurden. Am prägendsten war die Übergangsberatung am Ende der Grundschulzeit: „Ich war Dolmetscherin für meinen Vater … und ich musste das Ganze übersetzen. Das habe ich nie vergessen, und das hat mich enorm geprägt." Wer selbst erfahren hat, wie es sich anfühlt, nicht wirklich gesehen zu werden, gestaltet Schule anders.
Sichtbar wird das in konkreten Formaten. Statt Hausaufgaben will die Schule die gewonnene Zeit zum Fördern nutzen – und die Woche mit einer „Glücksstunde" beginnen: einer Stunde am Montagmorgen, in der es ausdrücklich nicht um Leistung geht, sondern darum, womit die Kinder selbst starten wollen, vom Fußball bis zum Comiclesen.
Was das für Schulentwicklung bedeutet
Die Grundschule im Dichterviertel ist Start-Chancen-Schule – und ein anschauliches Beispiel für das, was das learninglab unter der Beratung zu einer ressourcenorientierten Schulentwicklung versteht: Eine systemisch begleitete Entwicklung, die bei den Stärken der Kinder ansetzt statt bei ihren Defiziten, und die Vielfalt als Ausgangspunkt pädagogischen Handelns begreift. Sie zeigt zugleich, dass Innovation selten im großen Leuchtturmprojekt entsteht, sondern im Alltag – in der Art, wie ein Name ausgesprochen und dem Willen dazu Montagmorgens mit einer Stunde “Glück” die Schulwoche zu beginnen.
Mehr zur Arbeit des learninglab im Startchancen-Programm: learninglab – Startchancen.

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